Labor des Erzählens: ökologische Intuition, beziehungsreiche Sprache und Narrative der Verbundenheit

Labor des Erzählens: ökologische Intuition, beziehungsreiche Sprache und Narrative der Verbundenheit





Labor für ökologischesErzählen – ein Transfer für Forschung und Lehre im Rahmen des Erzählforschungs-Projektes „talking salmon“ (Prof. Dr. Torsten Schäfer und Team)

Talking Salmon verfolgt das Ziel, durch genre- und medienübergreifende Geschichten über die weltweit vorkommende Familie der lachsartigen Fische die Trennung zwischen Mensch und Natur aufzubrechen sowie neue ökologische Narrative zu etablieren. Die Erzählungen aus dem Wasser dienen dabei als Medium für transkulturelle und transdisziplinäre Verständigungsprozesse im Anthropozän. Insgesamt möchte das Projekt mit Praxen eines beziehungsreichen Erzählens Ideen für ein neues planetares Zusammenleben in Zeiten von Klima-Not und Artensterben sammeln und kommunizieren (mehr Hintergründe unten).

# Im Green Office (C10, EG) des Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung (KNE) treffen sich in den Semesterzeiten jeden Mittwoch von 16.30 Uhr bis 18.45 Uhr im offenen Format eines narrativen Reallabors Menschen, die am ökologischen Erzählen und der Frage von Mensch-Natur-Beziehungen interessiert sind. Einerseits kommen hier Studierende der BA Onlinejournalismus und Onlinekommunikation (hier ein Wahlfach mit drei SWS) der h_da zusammen. Weitere Plätze (maximal 20) sind für Erzählinteressierte aus Hochschule, Initiativen, Vereinen, Behörden, Unternehmen und Stiftungen vorgesehen. So entsteht ein narrativer Treffpunkt an der h_da, der zugleich Lehr. und Lernoert für Studierende wie Schauplatz transdisiziplinärer Debatten mit der Stadtgesellschaft ist.

Erzählen geschieht im Labor in Medien, Kunst, Literatur, Film, Bildung und Wissenschaftskommunikation sowie anderen Sphären. Insofern ist das Projekt offen für verschiedene Begriffsverständnisse. Es ist angebunden an den Studienschwerpunkt Klimajournalismus im BA Onlinejournalismus (mit dem Projekt grüner-journalismus.de). Die Arbeitssprache ist Deutsch und fallweise Englisch.  Gemeinsam werden konkrete Erzählungen, Narrative, Lernmaterialien, Ideen und Erfahrungen geteilt. Die Treffen dienen als Gruppendiskussion, die in Stichpunkten festgehalten und forschungsbegleitend aufbereitet werden. Manche Inhalte werden vom Team hinter „talking salmon“ vorbereitet (geplant ist eine Vorlesungsreihe), andere Diskurse werden spontan entstehen. Ergebnisse und Ideen aus „talking salmon“ fließen in das Labor für ökologisches Erzählen ein; insbesondere Inhalte der künstlerischen Forschung, in deren Kontext neue Methoden transformativer Didaktik erprobt werden. Ebenso sind kreative Schreibwerkstätten (nature writing) geplant, um die Landschaft als Partnerin mitsprechen zu lassen. Hier folgen wir dem Ansatz des Welt-Naturrates IPBES, wonach wir in der Kommunikation die Perspektive einnehmen „to talk as nature“. Dies wird verstanden als nächster Schritt, der anderen Erzählperspektiven einbezieht: to talk and write „about, in and with nature.“ In diesem Kontext widmet sich das Reallabor der Frage neuer Wissensformen, die mehr als das Menschliche („morethanhuman“) ausmachen – so auch maschinelles Wissen, das im Projekt technikkritisch diskutiert und ökologisch verortet wird.

Pflichten für Studierende: Sie führen ein Lerntagebuch und gestalten eine kreative Intervention (Vortrag, Text, Performance, Film, Theater). Veröffentlichungen auf grüner-journalismus.de sind geplant.


Talking Salmon – Das interdisziplinäre von h_da und OsloMet University widmet sich der Frage, wie lachsartige Fische (u.a. Forellen) als kulturelle und ökologische Mittler zwischen Mensch und Natur verstanden werden können. Diese Tiere, die weltweit seit Jahrtausenden Teil indigener, regionaler und ökologischer Narrative sind, verbinden Lebensräume wie Ozeane, Flüsse und Wälder. In Zeiten ökologischer Krisen und zunehmender Entfremdung vom Natürlichen können sie, so die These, zu Trägern von Erzählungen werden, die neue Perspektiven auf unser Verhältnis zur Umwelt eröffnen. Nötig sind dazu auch kritische Auseinandersetzungen mit verschiedensten Umweltzerstörungen und Formen der Massentierhaltung wie der Lachszucht. Die medienethnografische Feldforschung geschieht in Deutschland, Norwegen, Lappland und Kanada. Vor Ort werden lokale Narrative, Rituale, Kunstformen und Wissenspraktiken des Zusammenlebens mit lachsartigen Fischen dokumentiert und analysiert. Die gesammelten Materialien (Interviews, Beobachtungen, audiovisuelle Aufnahmen) fließen in multimediale Produktionen ein: Geplant ist ein offener Online-Kurs (MOOC) sowie Bilderserien, Filme, Essays, Reportagen und Gedichte, die in den wissenschaftlichen als auch öffentlichen Debattenraum eingebracht werden. Denn die dokumentierte Narrative werden, wenn es sinnvoll ist, mit der gebotenen Sensibilität in den transformativen Lernprozess hiesiger Nachhaltigkeitsarenen und Kommunikationsräume eingebracht, unter anderem durch neue Lehrformen an den beteiligten Hochschulen.